Ankreidung Nr.60

Hey, als ich ca 15 Jahre alt war, arbeitete ich in einem italienischen Restaurant. Ein Stammgast (Mann, ca. 50 Jahre alt) kam fast jeden Tag. Jedes mal, wenn er mir die Hand zur Begrüßung gab, hielt er sie viel zu lange fest, ließ sie nicht los, und starrte mir dabei unverschämt auf meine Brüste. Ganz offensichtlich, fast schon fordernd. Nach meiner Schicht saß ich mit meinem Chef am Tisch und aß etwas. Der Mann setzte sich auf die Sitzbank dazu, weiter weg von mir. Er rückte mir immer näher, bis er seine Hand auf meinen Oberschenkel legte und mein Bein streichelte. Ich sprang auf und stellte mich neben den Tisch. Ich traute mich nicht, etwas zu sagen; diesen widerlichen Menschen in seine Schranken zu weisen. Ich lächelte und tat so, als sei nichts passiert. Mein Chef bekam es genau mit und sagte auch nichts. Im Nachhinein sagten mein Chef und meine Chefin zwar, dass sowas echt nicht geht, passiert ist aber nichts. „Er ist halt so“ und ich solle es nicht so ernst nehmen. Ich denke oft daran zurück, weil ich mich hilflos und allein gelassen gefühlt habe, und meinem jungen Ich gerne sagen würde: „SAG WAS! SCHREI! STELL IHN BLOß! WEHR DICH!“

Wer Belästigung miterlebt, trägt auch eine Verantwortung. Belästigung sollte nicht akzeptiert werden, wenn diese gesehen wird und man die Möglichkeit hat zu helfen.
Arbeitgeber sind bei Fällen von sexueller Belästigung nach §12 des AGG rechtlich dazu verpflichtet Schutz- und Sanktionsmaßnahmen zu ergreifen. Zusätzlich müssen auch vorher schon präventive Maßnahmen ergriffen werden.

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