Ankreidung Nr.91

Ich war damals mit meinen zwei Freundinnen im Mühltalbad. Wir waren 12 Jahre alt oder so. Während wir am Beckenrand standen, hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, uns würde jemand beobachten. Ich habe mich umgesehen und dabei streifte mein Blick einen Mann, der abrupt in eine andere Richtung schaute. Als ich beim nächsten Mal hinschaute, machte er das gleiche. Ich bat meine Freundinnen schnell den Platz mit mir zu verlassen. Als wir dann auf unseren Handtüchern im Rasen lagen, fiel mir nach einiger Zeit wieder der Mann auf. Er hatte sich ein paar Meter hinter uns abgelegt. Ich habe dann meinen Freundinnen berichtet, was mir aufgefallen ist und ihnen gesagt, dass der Mann jetzt hinter uns liegt. Wir drehten uns unauffällig um und dann passierte es. Der Mann hatte seine Badehose ausgezogen, sich ein Handtuch übergelegt und als wir uns umdrehten, winkelte er die Beine so an, dass wir direkt unter das Handtuch schauten und wedelte mit der Badehose in der Hand. Wir haben uns so erschrocken und er machte es immer wieder, wenn wir uns umdrehten. Wir haben dann besprochen, so schnell wie es geht ins Wasser zu rennen, damit er uns nicht folgen kann. Das haben wir dann gemacht und im Wasser eine andere Klassenkameradin getroffen, die mit ihrer Mutter da war. Wir haben uns dann zu ihnen gelegt und der Mutter alles erzählt. Sie hat dann den Bademeister geholt, damit wir ihm nochmal alles erzählen. In der Zwischenzeit hatte der Mann sich schon wieder hinter andere Mädchen gelegt und das gleiche gemacht. Der Bademeister ist dann zu ihm gegengangen und hat ihn „nur“ vom Platz verwiesen. Er musste das Schwimmbad verlassen.

Diese Erfahrung löst bei den meisten verständlicherweise starke negative Emotionen aus. Beim Kreiden dieses Statements wurden wir mehrfach angesprochen und es wurde häufig gesagt, der Täter habe Gewalt oder den Tod verdient. Diese Gedanken sind nachvollziehbar und das Wohl der Kinder steht an erster Stelle.
Erfahrungen dieser Art werden häufig mit Kindesmissbrauch assoziiert. Es darf aber nicht aus den Augen verloren werden, dass es sich bei Täter:innen auch um Menschen handelt und sexueller Kindesmissbrauch nicht mit Pädophilie gleichgesetzt werden darf. Pädophilie ist zunächst eine Sexualpräferenz, bei der Betroffene sich zu einem vorpubertären Körperschema hingezogen fühlen, welche eine psychische Krankheit sein kann. Die Sexualpräferenz ist keine aktive Entscheidung und lässt sich nicht ändern. Die meisten Betroffen leiden unter ihrer Neigung und wissen, dass es falsch ist, dieser nachzugehen. Es ist wichtig, dass diese Menschen nicht verurteilt werden, sondern dass ihnen die Möglichkeit gegeben wird, sich Hilfe zu suchen und Strategien zu lernen, wie sie richtig mit ihrer Sexualpräferenz umgehen können. Unter kein-taeter-werden.de können Betroffene kostenlos und an die Schweigepflicht gebundene Behandlungsangebote in Anspruch nehmen.

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