Ankreidung Nr.125

Hey! Ich finde es super was ihr macht!
Vor ein paar Monaten bin ich von Darmstadt aus nach Griesheim mit der Bahn gefahren. Es waren zwei Männer im Vierersitz gegenüber von mir. Der eine hat seinem Freund gesagt, dass er sich umdrehen soll, um mich zu sehen. Der Zweite drehte sich um, sah mich und setzte sich dann so hin, dass er mich besser sehen konnte.
Sie haben mich eine halbe Stunde lang angeglotzt und miteinander geredet. Ich habe nichts hören können, weil ich Musik gehört habe.
Sie sind dann an der selben Haltestelle ausgestiegen wie ich und ich habe gehofft, dass sie mir nicht folgen würden. Ich dachte, es sei ein Zufall.
Dann hab ich gemerkt, dass sie mir die ganze Zeit gefolgt sind und sich immer umgedreht haben, wenn ich nach hinten geschaut habe. Ich wollte dann sehen, ob sie mir wirklich folgen, also bin ich einmal um den Block gelaufen, und sie waren immer noch zehn Meter hinter mir. Also bin ich zur Hauptstraße gelaufen, wo mehrere Leute waren und habe dann immer falsche Wege genommen, sodass sie mir nicht bis zum Haus der Freundin folgen konnten. Ich hatte so Angst, dass sie dann Abends auf mich warten würden, wenn ich zurückfahren wollte. Also hab ich bei meiner Freundin übernachtet und bin am nächsten Morgen mit ihr zur Haltestelle gelaufen.

Die Sache ist, dass Frauen und Mädchen immer gesagt wird, dass wir nur übertreiben würden. Um das Gegenteil zu beweisen, für mich selbst das beweisen zu können, habe ich alles riskiert, um 100% sicher zu sein, dass ich mir das nicht einbilde.
Ich will nicht in einer Welt leben, in der ich mein eigenes Leben aufs Spiel setzen muss, um anderen zu beweisen, dass ich nicht übertreibe oder verrückt bin.
Und das hat auch alles nichts mit Kleidung zu tun. Ich hatte eine Jeans und einen Pulli an.

Sich unwohl zu fühlen, wenn man angestarrt und verfolgt wird, ist verständlich. Diese Gefühle sind legitim und nicht übertrieben. Sexuelle Belästigung hingegen ist niemals legitim! Es sollte keiner Rechtfertigung bedürfen, wieso man sich unwohl fühlt. Es ist wichtig, die Gefühle der Betroffenen anzuerkennen und ihnen niemals die Schuld zu geben. Nur die Täter:innen tragen die Verantwortung für die Belästigung.

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